Jemen-Studien, Band 12
Herausgegeben von Horst Kopp
1993. 4°, 156 Seiten, 64 Abbildungen, 7 Faltkarten, kartoniert,
DM 68, (3-88226-610-4)
Die vorliegende Arbeit beruht auf den persönlichen Eindrücken und
unmittelbaren Erfahrungen des Verfassers, die dieser in dreijähriger Mitarbeit an den
Vorbereitungen zum Altstadterhalt von Sanaa und während mehrerer Gutachterreisen zur
Planung konkreter Restaurierungsvorhaben vor Ort sammeln konnte.
Er hatte als zeitweiliger Bewohner der Altstadt von Sanaa Gelegenheit, Standortgunst und
-defizite der alten Madinah in der eigenen Alltagsbewältigung zu erleben, und dazu das
Vorrecht, vertrauensvolle Kontakte zu Altstadtbewohnern und Marktleuten zu pflegen.
Bemühungen zum Erhalt des als Weltkulturdenkmal eingestuften historischen Stadtkerns von
Sanaa und seines Marktes beschränken sich für den Verfasser daher auch nicht auf die
technischen Belange von Restaurierungs- und Infrastrukturprojekten, sondern sehen daneben
immer auch die betroffene Altstadtbevölkerung mit ihren Wertvorstellungen und
Wahrnehmungsweisen, ihren Hoffnungen und Befürchtungen. Dabei sind insbesondere alle
Planungen, die den Markt als ökonomisches Zentrum der Madinah betreffen, von
existentieller Bedeutung für viele Familien der Altstadt. Die Einwohnerschaft der Madinah
und die Marktleute mit ihren Stadtviertel-Gemeinschaften und Allianzgruppen sind deshalb
aber nicht nur in alle Zielfindungs- und Entscheidungsprozesse einzubeziehen, sondern sind
gleichzeitig auch das wichtigste Potential zur Umsetzung aller Maßnahmen.
Im Zentrum der vorliegenden Arbeit steht deshalb die Frage, mit welchem Planungsansatz und
welchem Instrumentarium diesen Wechselbeziehungen Rechnung getragen werden kann und wie
darüber hinaus den (scheinbaren) Zielkonflikten aus der ökonomischen Revitalisierung
einerseits und dem geforderten Kulturerhalt andererseits zu entsprechen ist.
Die Untersuchung gliedert sich in vier Hauptteile: Im einführenden ersten Teil werden
Überlegungen zur Bedeutung des Weltkulturdenkmals Altstadt Sanaa - nicht nur - für die
islamische Welt wiedergegeben und in den Kontext des jungen Entwicklungslandes
Jemenitische Republik gestellt. Der zweite Teil beinhaltet Bestandsaufnahmen und Analysen
der Altstadt von Sanaa und besonders ihres Marktkerns. Hier findet sich auch eine
Darstellung und kritische Würdigung der bisherigen Anstrengungen zum Erhalt der Madinah
von Sanaa. Im dritten Teil werden zwei Planungsalternativen gegenübergestellt. Dem
Vorschlag, die Marktbuden und Werkstätten auf dem historischen Marktgelände
abschnittsweise abzureißen und durch zeitgemäße Bauten zu ersetzen, stellt der
Verfasser das Konzept einer "Erhaltenden Erneuerung" entgegen, das mit
möglichst geringen externen Finanzmitteln und einer möglichst umfassenden Mobilisierung
der vor Ort vorhandenen Kräfte die Umstellung auf heutige Anforderungen an einen Markt
schafft, gleichzeitig aber die kulturelle Eigenständigkeit und Identität weitgehend
bewahrt.
Im Schlußteil werden Empfehlungen zum Planungsprozeß aufgeführt und der Inhalt des
Bandes in einer deutschen und einer englischen Zusammenfassung umrissen.